„Schreiben ist einfach: Man muss nur die falschen Worte weglassen.“ – Mark Twain

 

Da stellt sich uns Schreiberlingen immer und immer wiederkehrend diese eine Frage: Ist Schreiben ein Talent? Ist es Kunst? Oder ist es ein Handwerk, das es nur zu erlernen vermag?

 

Früher zu Zeiten der großen Dichter und Literaten war man der allgemeinen Ansicht, dass Schreiben eine Begabung sei, die der eine hat, der andere nicht. 

Mittlerweile vertreten manche die Meinung, es handle sich beim Schreiben um ein Handwerk. Es gibt Schreibschulen, Schreibakademien, Schreibkurse. Hegt man Interesse für dieses Handwerk, meldet man sich an und erlernt dieses, so wie der Tischler seine Lehre macht, der Mechaniker wiederum seine…

Bei Kunst sieht es hingegen ganz anders aus: Ich kann die Farbenlehre oder einen Zeichenkurs besuchen. Doch seien wir mal ehrlich zu uns selbst! Ich könnte noch so viele Hände zeichnen, noch so viele Farben mischen, noch so viele Augen skizzieren… Ja, es würde nach einer Hand aussehen. Ja, die Augen hätten runde Pupillen. Und nochmals ja, ich würde aus braun und orange ein ockergelb erhalten – denk ich mal…

ABER: Wäre ich dann automatisch eine GUTE Malerin? Ich meine, so richtig GUT…? Könnte ich denn aus dem Stegreif darauflosmalen und Menschen damit inspirieren? Könnte ich an meinen Nachbarn denken und ihn so realistisch aus dem Kopf heraus zeichnen wie ein Cézanne es eventuell gemacht hätte? Oder an einen Elefanten denken und ihn haargenau abbilden wie eine Rosa Bonheur? Oder warum kann ich denn immer noch keine entzückenden Mädchen zeichnen wie eine Sarah Key?

Genauso erkläre ich mir die Geschichte mit dem Schreiben. Du kannst schreiben lernen. Ich spreche nicht davon, dass du im Vorschulalter damit beginnst, das Alphabet abzuschreiben. Du kannst tatsächlich lernen, wie eine Geschichte aufgebaut ist. Worin der Unterschied zwischen einem Werbetext und einer Kurzgeschichte liegt. Oder zwischen Inhaltsangabe und einer Zusammenfassung. Wie man einen Klappentext verfasst. Wie du einen Spannungsaufbau gut hinbekommst. Du lernst, wie Figuren kreiert werden können. Welche verschiedenen Arten von Einleitungen es gibt. Was einen guten Psychothriller ausmacht…

Das kannst du alles erlernen. Das ist das Wissen dazu. Die Regeln.

Dann kannst du dich darin üben. Ich habe von einer Theorie gelesen, dass nach 10.000 Stunden Übung, eine Fähigkeit insofern ausgereift ist, dass man darin „gut“ sein soll. So auch im Schreiben. Andere meinen wiederum, man müsse eine bestimmte Anzahl an Worten niedergeschrieben haben, dann würde sich die Qualität dieser Handlung um ein Vielfaches verbessern.

Schreiben ist also auch eine Sache der Übung. Viiiiiel schreiben und viiiiiiil lesen!

Dennoch, es fehlt mir noch was! Etwas zu können heißt immerhin noch lange nicht es GUT zu können…

 

Schreiben ist Kunst

 

Jeder Schreiberling, ob JournalistIn, ReporterIn, TexterIn oder AutorIn muss viel und noch mehr schreiben, um sich darin zu verbessern. Genauso muss er lesen, um Neues dazuzulernen. Ausgelernt hat man nie, wie wir wissen. 

Aber worin besteht wohl der größte Unterschied zwischen der Germanistin von nebenan und Herrn Coelho, Dante und dem Uniprofessor der Komparatistik? Der von mir heiß geliebten Jane Austen (die, sei hier erwähnt, ihr erstes Buch mit vierzehn geschrieben hatte, demnach vermutlich noch keine hohen Studien der Anglistik vorhanden waren) und dem Deutschgenie aus der Maturaklasse?

Ich bleib dabei: Talent. Begabung. Instinktives Können. Herzblut. Leidenschaft. Etwas Ähnliches sollte wohl auch dabei sein! Vielleicht kriegt man mit Übung und Ausbildung ein gutes Buch hin. Aber Kreatives Schreiben und einen Bestseller – dafür benötigt man wohl mehr…

Ich bleibe bei allem möglichen Gegenwind, neuen Theorien und Wissen, dabei: Es muss einem liegen. Ich meine so richtig liegen. Es muss von einem geliebt werden. Es muss einem beim Schreiben das Herz schneller schlagen. Es muss einem schlecht gehen, wenn er nicht schreibt. Es muss einem die Luft ausbleiben, wenn er nicht seine Gedanken zu Papier bringen kann. Worte müssen einem aus ihm heraussprudeln, die Finger zucken, der Kopf rauchen, das Papier entzünden. Ein Notizblock (oder zumindest das Handy) immer mit dabei, um alles zu notieren an Ideen und Inspirationen. 

Man kann sich jetzt darüber den Kopf zerbrechen, ob das Talent zuerst da ist und man sich deshalb darin übt oder ob man etwas immer und immer wieder macht, weil man darin schon so „gut“ ist. Auf diese Diskussion können wir uns ein anderes Mal einlassen. Mir wichtig:

Schreiben kann man lernen, JA.

Schreiben muss man üben, UNBEDINGT.

Schreiben kann einem mehr liegen, einem weniger, ABER SO WAS VON.

Schreiben ist Kunst – JAAAA!

Für mich ist Schreiben definitiv eine Kunst. Nicht umsonst gibt es noch so eifrige Schriftsteller, die schon lange unter Vertrag arbeiten und regelmäßig veröffentlichen. Es mangelt bei ihnen also nicht an Kontakten, Werbung, Sprungbrettern oä. Aber sie schreiben dennoch keine Bestseller. Dafür gehört nochmal eine Spur mehr. Dafür muss tiefer gegraben werden. Das liegt irgendwo zwischen Herz und Magengrube. Es gibt eben auch Sprachkünstler. Wortkünstler. (Nein, ich wollte nicht unbedingt auf mein Pseudonym hinweisen!)

Einer hat das Schreiben eben im Blut. Da hilft keine Regel, kein Werkzeug. Da hilft nur mehr:

Der Tanz, den die Worte miteinander eingehen. Der Rhythmus, der W o r t takt, die Melodie.

Ach, welch schönes Wort! 

M e l o d i e

 

Schreiben ist ein Handwerk

 

Genau darüber schreibe ich gerade. Ein Wort, das bereits so viel seiner Bedeutung in sich selbst trägt! Schreibt man Melodie, zaubert sich ein Lächeln ins Gesicht. Liest man Melodie, hört man ebensolche in seinen Gedanken. Wenn denn dieses Wort im richtigen Moment und der richtigen Konstellation verwendet wird…

Und es ist genau dies, was eine Künstlerin macht. Sie sucht nach Worten, die ebendiese Gefühle auslösen. Sie hat ein Gespür für DAS richtige Wort, für DAS EINE Wort, das alles um einen herum vergessen lässt und dazu verführt, es zu hören, zu riechen, zu fühlen. DAS Wort, das eine Verbindung zwischen Leserin und Künstlerin schafft. DAS Wort, das eine Beziehung entstehen lässt, das zum Weiterlesen anregt, zum Nichtmehraufhörenkönnen, zum Immerweiterlesenwollen.

Denn dann liest und siehst du das Wort nicht nur, nein! Du hörst es, du hörst seine Melodie. Und du fühlst sie. Das ist der Unterschied in meinen Augen. 

Du kannst jede Geschichte lesen. Egal wer sie schreibt. Aber du fühlst nicht jede Geschichte. Du hörst nicht die Melodie in jeder Geschichte.

Manch eine ist einfach nicht gut #lasstunsehrlichwennaucheinbissibösesein

Manch eine ist gut, richtig gut sogar. 

Und dann gibt es die eine! Die, die einfach nur berührend ist…

Und das ist Kunst!

Das kann nicht gelernt werden. Das glaube ich einfach nicht. Das hat man oder eben nicht. Vielleicht muss man es erst in sich finden, aber es muss schon da sein.

Das ist es, was ich in mir suche. Das ist, was ich dir schenken mag. Diese eine Geschichte. Die, die dich berührt. Dich zum Lachen bringt. Zum Ärgern. Zum Weinen. Zum Ausrasten. Tanzen. Singen. Fühlen.

Das ist K U N S T . Punkt.

 

Ghostwriterin bei der Arbeit in Wien

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